#Salzwedel Am Freitag, den 3. Juli, verwandelte sich die Mönchskirche Salzwedel für zwei Stunden in einen Klangraum, wie man ihn in dieser Stadt nicht alle Tage erlebt. Das junge Ensemble „Musica Vagante“ hatte unter dem Titel „Upon a Ground – Ohrwürmer des Frühbarock“ geladen, und wer kam, um einfach nur schöne alte Musik zu hören, bekam mehr geboten: einen Abend, der zeigte, wie lebendig historische Aufführungspraxis sein kann, wenn man sie ernst nimmt.
Schon der Ansatz war ungewöhnlich reizvoll. Statt die Werke des 17. Jahrhunderts als fertige, unantastbare Formen zu präsentieren, machten Caroline Jacob, Carl Franke und Lea Alfaenger genau das hörbar, was in Konzertprogrammen sonst gern unter den Tisch fällt: dass Komposition und Improvisation im Frühbarock untrennbar zusammengehörten. Über Ostinato-Modelle wie Ciaconna, Folia und Bergamasca entfalteten sich die Stücke jedes Mal neu – man spürte förmlich, wie die vier Musiker:innen im Moment aufeinander reagierten, sich Motive zuspielten und wieder losließen. Das hatte nichts Museales, sondern wirkte, als würde man einer Unterhaltung zuhören, die zufällig vor vierhundert Jahren begonnen hat.
Besonders im Gedächtnis geblieben sind mir die vokalen Momente: Werke von Claudio Monteverdi und Barbara Strozzi neben traditionellen englischen Liedern – eine Kombination, die die Bandbreite des Programms schön unterstrich und zeigte, wie eng italienische und englische Musik dieser Zeit trotz aller Unterschiede miteinander verwandt sind. Die Akustik der Mönchskirche tat ihr Übriges: Jede Verzierung, jede improvisierte Wendung stand plötzlich im Raum, als wäre sie genau dafür gemacht.
Was den Abend besonders macht, ist letztlich die Idee dahinter – geboren aus einer historischen Jamsession von Caroline Jacob und Carl Franke, die genau dieses Repertoire zum Ausgangspunkt für ein neues Ensemble machten. Man merkt „Musica Vagante“ an, dass hier nicht nachgespielt, sondern mit echter Neugier musiziert wird. Für ein so junges Ensemble war das ein bemerkenswert reifer, in sich stimmiger Auftritt.
Ein Konzertabend, der lange nachklingt – und der hoffentlich bald eine Fortsetzung findet.

