Von Rita Temme
#Knesebeck Wer am Freitagabend in der St. Katharinenkirche die Augen geschlossen hatte, konnte für einen Moment glauben, den Gesang einer Nachtigall zu hören. Doch die feinen, filigranen Töne stammten nicht von einem Vogel, sondern aus der Blockflöte von Carl Franke. Begleitet wurde er von Lea Alfaenger auf der Viola da Gamba.
Die beiden Instrumente passen mit ihrer besonderen Klangfarbe und ihrem warmen, feinen Ton hervorragend zur Musik des Barock aus England und Frankreich. Das Publikum erlebte einen Konzertabend, der ganz im Zeichen historischer Klänge und der musikalischen Welt des 17. und 18. Jahrhunderts stand.
Lea Alfaenger wechselte im Laufe des Konzertes von der Diskantgambe, also der Sopranlage der Viola da Gamba, zur Bassgambe. Gerade die Bassgambe wurde im Barock gerne als Soloinstrument eingesetzt und konnte so ihren charakteristischen, warmen Klang eindrucksvoll entfalten.
Carl Franke hatte für dieses Konzert gleich sechs verschiedene Blockflöten mitgebracht. Mit großer musikalischer Sicherheit und beeindruckender Sauberkeit entlockte er jedem Instrument seine ganz eigene Klangfarbe.
Beide Musiker beschäftigen sich bereits seit ihrer frühesten Kindheit intensiv mit ihren Instrumenten.
Lea Alfaenger begann zunächst, Cello zu spielen, und legte damit den Grundstein für ihren musikalischen Weg. Während ihres Studiums der Musikwissenschaft entdeckte sie schließlich die Viola da Gamba für sich. Schnell entwickelte sie eine besondere Begeisterung und Liebe für dieses historische Instrument. Mit 23 Jahren setzt sie ihren musikalischen Weg nun in Leipzig fort und ergänzt ihre bisherige Ausbildung durch ein weiteres Studium.
Auch Carl Franke begann schon sehr früh mit der Musik. Bereits im Alter von sechs Jahren spielte er Blockflöte. Durch die Teilnahme an verschiedenen Wettbewerben, unter anderem bei „Jugend musiziert“, sammelte er schon früh wertvolle musikalische Erfahrungen. Dabei entwickelte er eine besondere Begeisterung für die Musik des Barock.

Die intensive Beschäftigung mit historischer Musik und der Blockflöte führte schließlich zu der Entscheidung, die Musik zu seinem Beruf zu machen. Im Jahr 2020 wurde Carl Franke an der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar aufgenommen. Dort absolvierte er sein Bachelorstudium, das er 2025 erfolgreich abschloss. Seit 2026 setzt er seine musikalische Ausbildung an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover in einem weiterführenden Studium fort.
Musikalisch begann der Abend mit einem Lied aus Italien, das bereits im 12. Jahrhundert auftauchte und sich anschließend in ganz Europa verbreitete. Es folgten sogenannte „Divisions“ aus England – eine besondere Form der musikalischen Variation, bei der eine Melodie kunstvoll ausgeschmückt wird.
Im zweiten Teil des Konzertes rückten die Vogelstimmen in den Mittelpunkt. Die Komponisten des Barock nutzten die Blockflöte tatsächlich dazu, Vogelrufe nachzuahmen. Teilweise wurden die Instrumente sogar eingesetzt, um die Stimmen der Vögel möglichst naturgetreu zu imitieren oder ihnen gewissermaßen „neue Töne beizubringen“. Besonders in Frankreich und England erfreute sich diese musikalische Kunst großer Beliebtheit.
Ein Höhepunkt des Abends war „Le Rossignol en amour“ – auf Deutsch „Die verliebte Nachtigall“. Das Stück stellt musikalisch den Gesang einer Nachtigall dar. François Couperin verwendet dafür eine leichte, verspielte und zugleich sehr melodische Tonsprache, die an den natürlichen Gesang eines Vogels erinnert. So klingt das Werk zugleich kunstvoll und erstaunlich natürlich.
Carl Franke und Lea Alfaenger verstanden es auf wunderbare Weise, diese besondere Musik zum Leben zu erwecken. Mit ihren historischen Instrumenten, ihrem musikalischen Können und ihrer sichtbaren Begeisterung nahmen sie das Publikum mit in die Klangwelt des Barock.
Und so konnte man am Ende des Konzertes tatsächlich den Eindruck gewinnen, als hätte sich eine verliebte Nachtigall in die St. Katharinenkirche verirrt.
