Quelle: Von: Petra Witte EJZ.de
#Bergen. Gassenhauer sind kein Phänomen, das auf die jüngere Vergangenheit beschränkt ist. Schon vor drei oder vier Jahrhunderten habe es Musikstücke gegeben, die sich über ganz Europa verbreiteten. Etwa die „Sonate über La Monica/Une jeune fillete“, die im 17. Jahrhundert ausgesprochen beliebt gewesen sei, sagte Carl Franke am Sonntag in der Bergener Pauluskirche, wo er mit Lea Alfaenger ein Konzert mit Werken aus dem Barock und der Renaissance ab.
In ganz Europa beliebt
Das Stück von Philipp Friedrich Böddecker (1607-1683) handele von der Bitte eines jungen Mädchens an seine Mutter, es nicht zur Nonne zu machen, erzählte der Flötist, der auch den Gesangspart übernahm, den gut 40 Zuhörenden. Der aus der Altmark stammende und an der Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover studierende Franke hatte zu Beginn des Konzerts eine Einführung in die Alte Musik gegeben, in der sich sowohl die von ihm gespielte Blockflöte als auch die Viola da Gamba, die die in Leipzig studierende Lea Alfaenger vorstellte, großer Beliebtheit erfreuten.

Die Blockflöte, von der Franke mehrere Exemplare mit nach Bergen gebracht hatte, sei im Barock und in der Renaissance unter anderem dafür genutzt worden, Singvögeln neue Melodien beizubringen, berichtete der Musiker. Er spielte unter anderem eine Weise, die für Feldlerchen gedacht war. Auch die Nachtigall galt als begabte Schülerin für neue Melodien. Sie fungierte als Namensgeber für das Konzert in der Bergener Kirche: ,,Le Rossignol en Amour“ (Die verliebte Nachtigall) ist außerdem der Titel eines Satzes aus „Pièces des Clavecin“ von Francois Couperin.
Spiel zwischen Leichtigkeit und Strenge
Die französische Musik des 17. und 18. Jahrhunderts bestimmte den zweiten Teil des Programms. Unter Ludwig XIV. (1638-1715), der ein leidenschaftlich er Tänzer war, hätten Suiten den Tanzboden erobert. Dabei habe die französische Musik ,,von dem Spiel zwischen Leichtigkeit und Emotion sowie großer Strenge“ im Formalen gelebt, informierte Franke. Dieser Kontrast machte einen besonderen Reiz der Stücke aus, zu denen unter anderem die Suite in G ,,Pièce des Violle“ von Sieur de Machy aus dem Jahr 1685 gehörte. Es bot Lea Alfaenger eine ausgezeichnete Gelegenheit, den weichen Klang der in Frankreich damals besonders beliebten Gambe zu präsentieren, während die Suiten von Jacques-Martin Hotteterre der Flöte ihren großen Auftritt boten.
Schon im ersten Teil bekamen beide Instrumente – und ihre jeweiligen Interpreten – abwechselnd die Gelegenheit zu glänzen. Die zauberhaften ,,Divisions upon Greensleaves“ Christopher Simpsons (1605-1669), Variationen eines bis heute beliebten Volkslieds, waren ganz auf die Gambe ausgerichtet. Dafür war die Fantasie in C-Dur von Georg Philipp Telemann (1681-1767) für die Flöte geschrieben. überhaupt sei Telemann einer der liebsten Komponisten der Blockflötisten, habe er doch zahlreiche Werke für ihr Instrument komponiert.
Quelle: Von: Petra Witte EJZ.de
